Philip Schlaffer

Mein Name ist Philip Schlaffer.

 

Ich bin 1978 geboren und wohne im schönen Lübeck in Schleswig Holstein. Ich komme aus gut bürgerlichen Verhältnissen, kurzum gesagt, mein späterer Weg war nicht vorgezeichnet. Im Jahr 1988 zog meine Familie samt mir nach England, Newcastle upon Tyne, ich wurde als Jugendlicher entwurzelt und hatte einen schwierigen Start in England. Doch nach einiger Zeit lebte ich mich ein in England und lernte die Leute und das Land lieben. Doch schon drei Jahre später zogen wir zurück nach Deutschland, mittlerweile befand ich mich in der Pubertät, zurück in Deutschland gehörte ich nicht mehr dazu, zuvor war ich in einem Sportverein integriert, hatte Freunde und war gut in der Schule. Jetzt war ich der Außenseiter, in der Schule schlecht, keine Freunde mehr und sprach nur noch gebrochenes deutsch, ein schwieriger Neustart als Vierzehnjähriger.

 

Der Begriff „Außenseiter“ sollte dann die Bezeichnungen für mich werden, mit dem ich mich auch identifizierte, dieser Begriff begleitete mich zwanzig Jahre. Ich traf auf andere, die auch nicht reinpassten oder reinpassen wollten, die Suche nach Rückhalt und vermeintlichem Zusammenhalt brachte mich später in die unterschiedlichsten Subkulturen. Ich fing an Rechtsrock zu hören, der Stärke und Zusammenhalt versprach, Dinge nach denen ich mich sehnte und schnell identifizierte ich mich damit. Immer mehr vertiefte ich mich in die rechten Strukturen, ich besuchte Parteiabende und wurde ein gewaltbereiter Skinhead und Parteisoldat. Mittlerweile spielte Alkohol und Gewalt eine große Rolle und ich wurde ein Intensivstraftäter was Gewaltdelikte anging. Ich entfernte mich von meiner Familie, ich fing an alles und jeden zu hassen und wurde ein Antisemit, Rassist und NeoNazi.

 

Parallel wurde ich auch ein sogenannter „Gewalttäter-Sport“, ich fuhr für die Vereine, die ich vermeintlich unterstützen wollte, durch das Land und schlug mich mit gegnerischen Fans. Eine Unmenge Wut, Hass und Gewalt stieg in mir auf und ich war gewillt diese freizulassen. Ein anderes Ventil, um diese Wut zu kanalisieren, kam mir nicht in den Sinn. Die Justiz lies mich keine Konsequenzen spüren, immer kam ich mit einem „Blauen Auge“ weg.

 

Nach meiner noch erfolgreichen Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann, machte ich mich selbstständig mit Rechter Musik, ich produzierte legalen und illegalen Rechtsrock und stieg kurzzeitig zu einem der größten Produzenten der Szene auf. Ich organisierte den Import illegaler Rechtsrockmusik von den USA nach Deutschland und baute dafür ein kriminelles Netzwerk auf. Ich verbrachte über zehn Jahre im rechten Milieu und kenne die Methoden und die dazugehörigen Strategien, um Jugendliche zu beeinflussen. Ich gründete ebenfalls eine gewaltbereite Kameradschaft, die bundesweit für Aufmerksamkeit sorgte, durch Ihr enormes Gewaltpotential. Ich war Waffennarr und gedanklich bereits dabei mich zu einem Rechtsextremen Terroristen zu entwickeln, glücklicherweise ist es hierzu nicht gekommen. So war ich ein Teil der Neo-Nazis die im Jahr 2006 bei einer Demonstration in Wismar mit Baseballschlägern Gegendemonstranten und die Polizei mit Baseballschlägern angreifen wollten.

Nach Jahren in der Rechtenszene, stieg ich ins Rotlichtmilieu ein und betrieb mehrere Bordellwohnungen. In diesem Bereich beging ich weitere zahlreiche Straftaten, unter anderem Schutzgelderpressung, Betrug, Körperverletzungen und führte einen gewaltsamen Kampf gegen andere Gruppierungen und Bordellbetreiber. Ich kaufte und organisierte mir Prostituierte und überredete Frauen zur Prostitution. Ich wurde schnell Multikriminell, für Geld tat ich nun fast alles, es sollte nun meine nächsten zehn Jahre bestimmen. Ich trat einem bekannten Rockerclub bei und gründete später meinen eigenen Club, in dem ich stets Präsident war. In der Zeit konsumierten und verkauften wir Drogen wie Kokain, Marihuana und MDMA. Der gegründete Rockerclub Schwarze Schar MC Wismar, tat sich besonders hervor durch die vielen Straftaten, die von mir und seinen Mitgliedern begangen wurden, die mich dann für einige Zeit ins Gefängnis bringen sollte. Im Januar 2014 hat das Innenministerium von Mecklenburg Vorpommern den Club Schwarze Schar MC Wismar verboten.

 

Der Tag des Verbotes, war der Tag an dem ich mich neu entdeckte, ich beschloss von dem Tag an mein Leben zu ändern und zu einem besseren Menschen zu werden. Ein Gefängnisaufenthalt unterstützte, ja unterstütze meinen Wandel. In dieser Zeit suchte ich hinter Gittern psychologische Hilfe, die ich auch bekam und arbeitete weiter an meinem Ausstieg und Wandel. Im Januar 2016 wurde ich entlassen und engagiere mich seitdem mit präventiver Arbeit im Jungendbereich. Ich zeige deutlich auf, die Opfer die ich leider verursachte und wie Entscheidung in jungen Jahren dazu führten, ein zwanzigjähriges kriminelles Leben aufzubauen und daran fast selber zu Grunde zu gehen.

 

Ich erzähle über meinen Einstieg in die Rechteszene, die Beweggründe, die Enttäuschungen und wie ich den Ausstieg erfolgreich durchführen konnte. Ich gebe weiter Einblicke in meine Gefühlswelt als damaliger Rechter und in die heutige Gedankenwelt, warum ich den Hass, Gewalt und die Fremdenfeindlichkeit aus meinem Leben verbannt habe und wie positiv es mir dabei geht.

 

Weitere Themen die ich in Seminaren bespreche sind, Gewalt, Prostitution, Drogen und Rockerkriminalität und ich berichte von den Erfahrungen im Gefängnis. Anhand meines eigenen Lebens und meinen Erfahrungen in den unterschiedlichen negativen Subkulturen entsteht ein warnendes authentisches Gesamtbild bei den Jugendlichen. Ich spreche offen über meine Gefühle und Ängste, die auch bei vermeintlichen Gangstern, Kriminellen oder sogenannten „Harten Typen“ entstehen, den Mythos der vielen starken Subkulturen wird aufgelöst. In den vielen Nachbearbeitungen der Schüler, begegnet mir immer wieder das Wort Hoffnung! Hoffnung, dass selbst eine Person wie ich es war, fähig ist, sich positiv zu ändern!

 

Derzeitig mache ich eine Ausbildung zum „Anti Gewalt und Kompetenz Trainer“, in Zukunft werde ich mich verstärkte der Extremismus Prävention widmen und der Deradikalisierung von Jugendlichen & Erwachsenen.

Zusammen mit Fachkräften & Eltern möchte ich verhindern, dass Jugendliche einen ähnlichen zerstörerischen Lebensweg gehen wie den meinen.